Die Axpo, das grösste Elektrizitätsunternehmen der Schweiz, hat am 24.3.2026 ihre «Energy Reports» vorgestellt. Dabei werden zwei Szenarien genauer angeschaut, eines mit und eines ohne Atomkraft.
Zentrale Erkenntnisse zu Windenergie im Axpo-Bericht
Unabhängig davon, wie wir uns in Sachen Atomkraft entscheiden: wir müssen jetzt Windenergieanlagen planen und bauen.
Unabhängig davon, ob wir später auch Gaskraftwerke zulassen wollen: wir müssen jetzt Windenergieanlagen planen und bauen.
Windenergie und Atomkraft, das ist kein Entweder-oder. Ein Energiesystem ohne Atomkraft ist besser. Aber auch mit Atomkraft im Jahr 2050 ist Windkraft notwendig, wir müssen jetzt Windenergieanlagen planen und bauen.
Der Bericht zeigt, dass die Petition von ProWind NWCH für mehr Windkraft in Baselland genau auf die richtige Entwicklung abzielt.
Was sagt der Report zu Windenergie?
Beschleunigungserlass für Windenergieanlagen
Zurzeit liegt die Projektdauer bei Windenergieanlagen bei durchschnittlich 13 Jahren. Die Kantone müssen nun zügig den Beschleunigungserlass umsetzen. Damit kann die Verfahrensdauer auf 5 Jahre gesenkt werden. Die Rekursmöglichkeit bis ans Bundesgericht bleibt erhalten. (Synthesebericht Windkraft S. 22)
Kosten für Windenergie
Heutige Gestehungskosten für Wind liegen bei 75 bis 120 Franken pro Megawattstunde und werden dank Innovationen bis 2050 auf 60 bis 100 Franken sinken. Atomstrom aus neuen Atomkraftwerken liegt höher, selbst bei sehr atomfreundlichen Modellannahmen. Gestehungskosten für Gas liegen je nach Gaspreis bei mindestens 120 Franken. So ist auch der staatliche Förderbedarf beim Windstrom am niedrigsten (Synthesebericht S. 24 und 29).
Bedarf an Windstrom
Bis 2050 benötigt die Schweiz im Winterhalbjahr 7 Terawattstunden Strom aus Windenergieanlagen. Werden zwei Atomkraftwerke zugebaut reduziert sich das auf 3 Terawattstunden. In beiden Szenarien müssen wir jetzt mit dem Zubau von Windenergieanlagen beginnen. Im Minimum werden 400 Windenergieanlagen benötigt. Was sagt der Report zu Kosten und Import?
Wie hoch fällt die notwendige Förderung aus?
Der Netzzuschlag von 2.3 Rappen pro Kilowattstunde auf der aktuellen Stromrechnung kann die direkte Förderung beider Szenarien etwa decken. Die Einspeisung von Solarstrom muss dafür weiter von Netzabgaben befreit bleiben. (S 43 Synthesebericht).
Die Netzausbaukosten sind im Vergleich zu den Investitionskosten für neue Anlagen klein. (S. 39-41 im Synthesebericht)
Energieimporte
Heute werden Energieträger (Öl, Gas und Kernbrennstoffe) importiert, die 190 Terawattstunden Energie bereitstellen: im Bereich Elektrizität, Industrie, Verkehr, Haushalte. Im Szenario ohne Atomkraft reduzieren sich die Importe auf 40 Terawattstunden – wobei hoffentlich ein grosser Teil aus erneuerbaren Gasen, zum Beispiel Wasserstoff, besteht. Im Szenario mit Atomkraft werden ausserdem 50 Terawattstunden für Kernbrennstoffe importiert. In diesem Szenario bleiben wir abhängig von Importen.
Und was gibt es zu Atomkraft zu sagen?
Christoph Brand, Geschäftsführer der Axpo, favorisiert klar das Szenario ohne Atomkraftwerke, vor allem auch wegen der unkalkulierbaren finanziellen Risiken, die kein Energieversorger tragen kann. Die Finanzierung und die komplette Risikoabsicherung müsste der Staat übernehmen.
Atomfreundliche Modellannahmen
Auffallend ist, dass einige der Modellannahmen atomfreundlich sind (erstellt vom PSI, Schweizerisches Institut für Reaktorforschung):
Bei den Kosten für Atomkraftwerke wird die Kostenexplosion der letzten Jahre nicht berücksichtigt. Vielmehr wird gesagt, dass Atomkraftwerke wieder massiv billiger würden, entgegen der Erfahrungen der letzten Jahre.
Die stark fallenden Preise in der Windkraft und bei der Photovoltaik werden im Bericht nur sehr zurückhaltend berücksichtigt. Ebenso die Leistungssteigerung beider Technologien in den letzten Jahren.
Die Entwicklung der Batterietechnik wird kaum berücksichtigt.
Alle Risiken der Atomkraft werden auf den Staat abgewälzt. Es werden nur die Kosten für das Aufstellen und den Betrieb des AKW berücksichtigt.Es wird nicht berücksichtigt, dass es keine permanente Lagerstätte für den Atommüll gibt.
Der Verbrauch von seltenen Erden wird bei Windkraft bezüglich Umweltproblemen – unverständlicherweise aus unserer Sicht – genauso stark gewichtet wie der Abbau von Uran. Wobei seltene Erden nicht unbedingt notwendig sind für Windenergieanlagen, Uran aber schon für Atomkraftwerke.
Kritische Elemente zu Windkraft, die stimmen
In aktuellen Windenergieanlagen werden, wie in fast allen modernen Generatoren, kritische Metalle verbaut, namentlich Neodym, das fast ausschliesslich aus China kommt, wo es auf umweltschädliche Weise abgebaut wird, obwohl ein umweltschonender Abbau technisch möglich wäre. Zudem gibt es Alternativen zu Neodym mit leicht weniger idealen Eigenschaften.
Windenergie braucht Förderung. Der Stromgestehungspreis von 7 bis 12 Rappen pro Kilowattstunde liegt über dem mittleren europäischen Strompreis. Das gilt aber noch mehr für Atomkraft. Strom aus den neuesten in Europa gebauten AKW ist sehr viel teurer als Windstrom, gemäss Axpo müssen alle neuen Stromerzeugungsanlagen in der Schweiz subventioniert werden, um realisiert werden zu können. (Windenergieanlagen an der Nordsee und Photovoltaik am Mittelmeer können günstiger produzieren.) Mit der Abstimmung zum Stromgesetz hat die Schweiz aber beschlossen, nicht mehr als 5 TWh/Jahr zu importieren. Damit Schweizer Strom auch in Krisensituationen sichergestellt werden kann, braucht es Förderung, unabhängig von der Energiequelle.
Unser Fazit
Beim Studium des Energy Reports gewinnt Pro Wind NWCH den Eindruck, dass sich die Verfasser:innen des Reports ehrlich angestrengt haben, einen ausgewogenen Report vorzulegen. Bei aller Kritik an den Modellannahmen seitens Pro Wind NWCH gibt der Report eine gute Diskussionsgrundlage für die anstehenden Entscheidungen:
Stromabkommen mit der EU: Ist wichtig für die Netzstabilität und tiefere Stromkosten
Blackout-Initiative und Gegenvorschlag: Ablehnen. Sie lösen mindestens bis 2050 gar nichts, sie lenken nur vom dringenden Ausbau der Windenergie ab.
Die Windkraftverhinderungsinitiativen, die 2027 zur Abstimmung kommen: Ablehnen, sie würden den Ausbau von Windkraft de facto verbieten und damit die Stromversorgung in der Schweiz gefährden.
Im Interview mit SRF1 (Link) sagt Axpo CEO Christoph Brand «Die Horrorgeschichten über Lärm oder tote Vögel sind Unsinn, das belegen die Fakten.» Weitere klare Aussagen seinerseits waren in diesem Interview: «Die Energiewelt ist falscher Ort für plakative Lösungen.» und «Die knappste Ressource in der Schweizer Energiepolitik ist nicht das Geld oder die Technologie, sondern die Kompromissbereitschaft.»
